Geschichte

20.01.2001

Eindeutige Vorgaben des Denkmalschutzes


Nach der Sanierung der Ekerner Mühle bieten sich nunmehr Mühlenrundfahrten an


Von Dr. Walter Ordemann


Die Vorgängerin der Ekerner Windmühle, im Jahre 1865 errichtet, brannte 1910 vollständig ab. Noch im selben Jahr wurde anstelle des Erdholländers ein Galerieholländer errichtet. Er wurde im Krieg stark beschädigt. Das Flügelwerk wurde lahmgelegt, nur der Motorantrieb funktionierte noch. Bis 1963 wurde noch gemahlen, dann gab Müllermeister Hermann Roßkamp auf.


1992 wurde ein Mühlenverein gegründet. Satzungsgemäßes Ziel war, die Ekerner Windmühle zu sanieren, sie als kulturhistorisches Bauwerk zu erhalten und zu unterhalten. Zu dem Zweck wurde mit dem Eigentümer ein Vertrag geschlossen, dem später auch die Gemeinde Bad Zwischenahn als Bauträgerin beitrat. Erste Untersuchungen durch Fachleute ergaben ein eher trostloses Bild: Die Galerie war nicht mehr zu retten, die Druck- und Zugfestigkeit war nicht mehr gegeben. Das aufsteigende Mauerwerk wies zahlreiche Löcher von Einschüssen aus den letzten Kriegstagen auf. Zudem war das Mauerwerk durchfeuchtet. Aber es stellte sich auch etwas anderes heraus: Die Ekerner Mühle war nach dem Verfahren von Monier errichtet worden, d. h. aus Beton mit Eiseneinlagen. Nur dank dieses Umstandes hat die Mühle den Krieg überlebt. Wäre sie – wie üblich – mit Reet gedeckt gewesen und innen mit Holzfachwerk errichtet worden, wäre sie schon bei den ersten Einschüssen Ende April 1945 in Flammen aufgegangen. Als die besondere Bauweise in Hannover bekannt wurde, ist die Mühle sogleich vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt als Einzelbaudenkmal unter Denkmalschutz gestellt worden.


Nachdem die ersten Kostenvoranschläge eingeholt worden waren, ergab sich ein Sanierungsaufwand von nahezu 1 Million DM. Bei der Europäischen Union wurden daraufhin Mittel aus dem Fonds zur Förderung der Entwicklung typischer Landschaften beantragt. Dabei handelte es sich um eine 60-Prozent-Förderung, an der die EU mit 85 Prozent und das Land Niedersachsen mit 15 Prozent beteiligt waren. Die restlichen Gelder mußten anderweitig beschafft werden. Im Zuge der Ausschreibung der Arbeiten gelang es, die Sanierungskosten auf rund 800 000 DM zu drücken. Im Rahmen der beschränkten Ausschreibung durch die Gemeinde wurde jeweils dem billigsten Anbieter der Zuschlag erteilt. Einige Unternehmer verzichteten dabei ganz oder teilweise auf ihren Gewinn zugunsten des Sanierungsvorhabens. Die noch fehlenden etwa 200 000 DM wurden von Stiftungen und privater Seite gespendet.


Mit den von der EU bewilligten Mitteln von annähernd 600 000 DM wurde im Jahr 1996 mit den Sanierungsarbeiten begonnen, nachdem im Jahr 1995 die beantragte Baugenehmigung vom Bauamt des Landkreises Ammerland erteilt worden war. In den Jahren 1996/97 wurde der erste Bauabschnitt ausgeführt. Die Galerie wurde vollständig erneuert und der Mühlenrumpf saniert. Im Inneren der Mühle wurden Stützen und Träger erneuert, bzw. verstärkt.


Im Rahmen des zweiten Bauabschnittes 1998/99 wurde die Mühle vervollständigt: Sie bekam eine neue Kappe mit Flügeln. Innen wurde die Decke zur Galerie durch einen Spezial-Spritzbeton verstärkt. Danach wurde ein altes Mahlwerk aus der Rostruper Mühle (Lüttmann) in die Ekerner Mühle eingebaut. Dieses Mahlwerk läuft angetrieben durch einen Motor. Auch die Flügel drehen sich wieder, allein vom Wind bewegt, nur fehlt noch die Königswelle nebst Zubehör, so dass das Mahlwerk noch nicht mit Windkraft betrieben werden kann. Die Kosten für die Königswelle waren zu hoch. Da aber seit dem Jahr 1910 die Mühle in windstillen Zeiten auch schon mit einem Motor angetrieben wurde, ist der jetzige Betrieb des Mahlwerkes mittels eines Motors nicht artfremd.


Bei der Sanierung mußten die Vorgaben des Denkmalschutzes beachtet werden. Die Mühle wurde genau nach einer aufgefundenen Aufnahme aus dem Jahr 1910 wieder hergerichtet; sie hat auch ihre weiße Farbe im oberen Teil (Achtkant) wieder erhalten.


Aus dem Fonds für das Projekt Ziel 5 b wurden zum Schluß noch einmal nahezu 30 000 DM bewilligt, um auch den Anbau noch zu sanieren, in dem ein alter, noch betriebstüchtiger Deutz-Motor aus den zwanziger Jahren steht. So konnte die Sanierung im Vorjahr abgeschlossen werden. Am 23. 11. 2000 fand die Schlußabnahme durch das Bauamt des Landkreises Ammerland statt. Nur die obersten zwei Stockwerke unterhalb der Mühlenkappe müssen innen noch hergerichtet werden. Das Hauptziel, die Rettung der Ekerner Mühle vor dem endgültigen Verfall, ist jedoch erreicht. Im Erdgeschoß ist ein Aufenthaltsraum mit Sitzgelegenheiten geschaffen worden, damit Vereine und Mühleninteressenten dort tagen können. Im ersten Stock befinden sich das alte Müllerkontor, verschiedene Kleinmühlen und Reinigungsmaschinen für das Korn sowie die Auffangvorrichtung für das Mehl, das im zweiten Stock, dem sogenannten Galerieraum, gemahlen wird. Dort stehen zwei Mahlwerke, von denen eines – das aus der Rostruper Mühle stammende – in Betrieb gesetzt werden kann. An das zweite Mahlwerk müsste von oben her noch die Königswelle angeschlossen werden. Im dritten Stock, oberhalb der Galerie, sollen Teile der alten Mühle ausgestellt werden, so der im Krieg zerschossene Kranz, auf dem die Kappe lief, und Stützen, die ebenfalls durchschossen wurden.


Über das weitere Schicksal der Ekerner Mühle – ob wieder nachhaltig gemahlen oder die Mühle anderen Zwecken zugeführt werden soll, die sich im Rahmen des Denkmalschutzes halten – wird der Mühlenverein Ekern e. V. im Einvernehmen mit dem Eigentümer der Mühle demnächst entscheiden.


Mit dem Nutzungsvertrag zwischen dem Mühleneigentümer, dem Mühlenverein und der Gemeinde Bad Zwischenahn ist festgelegt, dass die Mühle für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten ist. Zahlreiche Besucher, die an dem Wiederaufbau der Mühle interessiert sind, haben sich inzwischen auch dort eingefunden. Der Mühlenverein Ekern nimmt regelmäßig am Deutschen Mühlentag und am Tag des offenen Denkmals teil. Für die Gemeinde Bad Zwischenahn mit dem Ortsteil Ekern stellt die sanierte Mühle mit ihrem Mahlwerk einen Anziehungspunkt ersten Ranges dar. Nachdem die Hengstforder Mühle ebenfalls wieder aufgebaut worden ist und die Querensteder Mühle zur Zeit saniert wird, lassen sich in Zukunft sicher auch Rundfahrten zu den Mühlen im Ammerland organisieren, wobei die ganz neu erstellte Mühle in Edewecht sowie die Schepser Mühle mit eingeschlossen werden können.